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Paris, 20.07.2026

Bliksem-EXO-Konsortium: Europa startet gemeinsame Entwicklung eines exoatmosphärischen Raketenabwehrsystems

Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung (Letter of Intent, LoI) haben fünf führende europäische Verteidigungs- und Raumfahrtunternehmen das Bliksem-EXO-Konsortium ins Leben gerufen. Ziel der neuen Industriepartnerschaft ist die Entwicklung eines europäischen, souveränen Abfangsystems zur Bekämpfung ballistischer Mittel- und Mittelstreckenraketen außerhalb der Erdatmosphäre. Das Vorhaben gilt als wichtiger Meilenstein für den Ausbau einer eigenständigen europäischen Raketenabwehr.

Europäische Antwort auf neue Bedrohungen

Die sicherheitspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre – insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine sowie der verstärkte Einsatz ballistischer Raketen – haben den Bedarf an leistungsfähigen europäischen Luft- und Raketenabwehrsystemen deutlich erhöht. Während Europa bereits über moderne Systeme für die untere und mittlere Abfangschicht verfügt, fehlte bislang eine eigenständige Fähigkeit zum exoatmosphärischen Abfangen ballistischer Flugkörper während ihrer Flugphase im Weltraum. Genau diese Fähigkeitslücke soll Bliksem EXO schließen.

Starke Industriepartnersnerschaft – zum Konsortium gehören:
• Airbus Defence and Space
• Destinus
• MBDA Deutschland
• Safran Electronics & Defense
• Thales

Die Unternehmen bringen ihre jeweiligen Kernkompetenzen in das Programm ein. Destinus übernimmt die Rolle des Konsortialführers und verantwortet die Entwicklung des sogenannten Kill Vehicles, also des eigentlichen Abfangflugkörpers. MBDA Deutschland entwickelt Booster, Startsystem und Transportbehälter, Safran liefert den Suchkopf des Kill Vehicles, während Airbus Defence and Space sowie Thales für Führungs-, Kommunikations- und Radarsysteme verantwortlich sind.

Direkter kinetischer Abfang im Weltraum

Bliksem EXO setzt auf das sogenannte Hit-to-Kill-Prinzip. Dabei wird das Ziel nicht durch einen Sprengkopf zerstört, sondern durch den direkten kinetischen Zusammenstoß des Abfangkörpers mit der anfliegenden Rakete. Das System soll Mittel- und Mittelstreckenraketen während ihrer mittleren Flugphase außerhalb der Atmosphäre erkennen, verfolgen und neutralisieren. Auch moderne, schwer abzufangende Systeme mit manövrierfähigen Wiedereintrittskörpern sollen berücksichtigt werden.

Ergänzung bestehender europäischer Verteidigungssysteme

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen soll Bliksem EXO vollständig mit der NATO Integrated Air and Missile Defence (IAMD) sowie der European Sky Shield Initiative interoperabel sein. Das System versteht sich daher nicht als Ersatz bestehender Luftverteidigungssysteme wie Patriot oder SAMP/T, sondern als zusätzliche obere Verteidigungsschicht gegen weitreichende ballistische Bedrohungen.

Ambitionierter Entwicklungsplan

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung markiert zunächst den offiziellen Start des Programms. Innerhalb der kommenden Monate soll daraus ein verbindlicher Konsortialvertrag entstehen. Bereits im August sollen die gemeinsamen Entwicklungsarbeiten beginnen. Ein erster Test des exoatmosphärischen Kill Vehicles im Weltraum ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Die derzeitige Vereinbarung enthält allerdings noch keine verbindlichen Finanzierungs- oder Beschaffungszusagen der beteiligten Staaten.

Bedeutung für Europas Verteidigungsfähigkeit

Mit Bliksem EXO verfolgt Europa das Ziel, kritische Schlüsseltechnologien im Bereich der Raketenabwehr eigenständig zu entwickeln und die Abhängigkeit von außereuropäischen Systemen zu reduzieren. Das Konsortium steht zugleich exemplarisch für die zunehmende sicherheitspolitische Zusammenarbeit europäischer Industrieunternehmen und Regierungen. Sollte das Programm erfolgreich verlaufen, könnte Bliksem EXO künftig eine zentrale Rolle innerhalb einer mehrschichtigen europäischen Raketenabwehr übernehmen und einen wesentlichen Beitrag zum Schutz gegen moderne ballistische Bedrohungen leisten. (zi/KI)