Berlin/Bonn, 15.09.2026
Ein neuer Baustein für den Bevölkerungsschutz
Schutzräume werden digital auffindbar
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat angekündigt, eine digitale Erfassung aller als Schutzraum nutzbaren Objekte verfügbar zu machen. Der Bau neuer Bunker sei in Deutschland nicht geplant, betont er bei der Tagung mit Vertretern der Kommunen in Berlin.
Ziel sei es, dass Menschen im Ernstfall schnell in den nächstgelegenen Schutzraum finden könnten "an der Stelle, wo man sich gerade befindet".
Die Informationen sollten auch in der Nina-Warn-App abrufbar sein.
Deutschland will den Bevölkerungsschutz neu aufstellen dazu gehört auch eine digitale Übersicht über Schutzräume und andere Objekte, die im Krisen- oder Verteidigungsfall als Zufluchtsorte genutzt werden können. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat angekündigt, die in Deutschland vorhandenen Schutzmöglichkeiten systematisch zu erfassen und künftig digital verfügbar zu machen.
Was lange Zeit kaum eine Rolle im öffentlichen Bewusstsein spielte, gewinnt angesichts der veränderten Sicherheitslage wieder an Bedeutung: die Frage, wo Menschen im Ernstfall Schutz finden können.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat hierzu bereits im Mai im Deutschen Bundestag eine klare Perspektive formuliert* und sprach sie auch jetzt wieder bei der dritten Kommunaltagung des Bundesinnenministeriums an. Deutschland werde die vorhandenen Schutzräume kartieren und sie über digitale Systeme, insbesondere die NINA-Warn-App, für die Bevölkerung auffindbar machen. Ziel sei es, öffentliche Zufluchtsräume auch digital zugänglich zu machen.
Vom analogen Schutzraum zur digitalen Information
Damit verbindet sich ein grundlegender Wandel im Bevölkerungsschutz. Schutzräume allein reichen im Ernstfall nicht aus. Entscheidend ist auch, dass die Bevölkerung schnell und zuverlässig weiß, wo sich eine geeignete Schutzmöglichkeit befindet und wie sie diese erreichen kann.
Eine digitale Erfassung könnte künftig beispielsweise Informationen darüber bereitstellen,
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wo sich ein Schutzraum oder ein als Zufluchtsort geeigneter Bereich befindet, |
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welche Schutzmöglichkeiten an einem bestimmten Ort vorhanden sind, |
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wie der Standort erreicht werden kann, |
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ob der jeweilige Schutzraum öffentlich zugänglich ist, |
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für wie viele Menschen er grundsätzlich geeignet ist und |
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welche Einschränkungen oder besonderen Voraussetzungen bestehen. |
Damit könnte aus einer bislang vielfach abstrakten Frage „Wo kann ich im Ernstfall Schutz finden?“ eine konkrete digitale Auskunft werden.
Neue Bedeutung durch veränderte Sicherheitslage
Die Initiative steht im Zusammenhang mit einer grundsätzlichen Neubewertung des Bevölkerungsschutzes in Deutschland. Neben klassischen Naturkatastrophen und Großschadenslagen rücken zunehmend hybride Bedrohungen, Sabotage, Angriffe auf kritische Infrastrukturen und militärische Konfliktszenarien in den Mittelpunkt.
Die Bundesregierung verweist inzwischen ausdrücklich auf die Notwendigkeit, Deutschland widerstandsfähiger gegen hybride Angriffe zu machen. Der Nationale Sicherheitsrat hat sich im September erneut mit hybriden Bedrohungen sowie dem Schutz kritischer Infrastruktur und Fragen der militärischen und zivilen Verteidigung befasst.
Auch die jüngsten Ereignisse haben die Diskussion über die Resilienz Deutschlands verstärkt. Nach dem versuchten Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle vom 4. August 2026 hat die Bundesregierung ihre Maßnahmen gegen hybride Bedrohungen weiter ausgebaut.
NINA könnte zum digitalen Wegweiser werden
Eine zentrale Rolle könnte dabei die bereits etablierte Warninfrastruktur des Bundes spielen. Die NINA-Warn-App informiert die Bevölkerung heute bereits über Gefahrenlagen und Warnungen. Sie ist Teil des sogenannten Warnmittel-Mixes aus Warn-Apps, Cell Broadcast, Sirenen sowie Informationen über Radio und Fernsehen.
Die Integration von Schutzraumdaten würde die Funktion der App erweitern: Aus einem reinen Warninstrument könnte im Krisenfall zunehmend auch ein digitaler Wegweiser für den Bevölkerungsschutz werden.
Denkbar wäre beispielsweise, dass bei einer konkreten Gefahrenlage neben der Warnung auch Informationen zu geeigneten Schutzmöglichkeiten in der näheren Umgebung angezeigt werden.
Dabei dürfte es allerdings nicht genügen, lediglich historische Bunkerstandorte auf einer Karte zu markieren.
Entscheidend ist die Qualität der Daten
Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb in der Erfassung und Bewertung der vorhandenen Objekte.
Deutschland verfügt über eine Vielzahl ehemaliger Schutzbauwerke, Bunker und anderer unterirdischer oder baulich geschützter Anlagen. Viele dieser Objekte sind jedoch nicht mehr für eine unmittelbare Nutzung als Schutzraum vorgesehen. Andere könnten möglicherweise nach entsprechender Vorbereitung oder technischen Nachrüstungen genutzt werden.
Eine digitale Schutzraumkarte muss daher deutlich mehr leisten als eine einfache Standortdatenbank. Sie benötigt aktuelle, belastbare und differenzierte Informationen.
Von besonderer Bedeutung wären dabei beispielsweise:
Standort Schutzwirkung Kapazität Zugänglichkeit technischer Zustand Eigentumsverhältnisse Nutzbarkeit Versorgung Notstrom Kommunikationsmöglichkeiten Barrierefreiheit.
Damit wird aus der bloßen Kartierung eine anspruchsvolle Aufgabe des Risiko- und Informationsmanagements.
Schutzraumplanung ist mehr als Bunkerplanung
Die Diskussion sollte deshalb nicht ausschließlich auf klassische Bunker reduziert werden.
Bevölkerungsschutz muss unterschiedliche Schutzmöglichkeiten miteinander verbinden. Dazu können abhängig von der jeweiligen Gefahrenlage neben eigentlichen Schutzbauwerken auch andere geeignete Gebäude und Infrastrukturen gehören.
Das entspricht auch dem breiteren Ansatz der Bundesregierung, die Resilienz kritischer Infrastrukturen zu erhöhen. Das seit März 2026 geltende KRITIS-Dachgesetz verfolgt das Ziel, die Widerstandsfähigkeit besonders wichtiger Infrastrukturen bundesweit und sektorübergreifend zu stärken.
Damit entsteht eine gemeinsame strategische Aufgabe: kritische Infrastruktur schützen, staatliche Handlungsfähigkeit sichern und gleichzeitig der Bevölkerung konkrete Möglichkeiten zur Selbst- und Fremdvorsorge geben.
Datenschutz und Sicherheit müssen mitgedacht werden
Eine öffentliche digitale Schutzraumkarte wirft allerdings auch Sicherheitsfragen auf.
Nicht jede Information über ein Schutzbauwerk sollte zwangsläufig öffentlich zugänglich sein. Angaben zu technischen Einrichtungen, Zugangssystemen, baulichen Schwachstellen oder sicherheitsrelevanten Infrastrukturen könnten missbrauchsrelevant sein.
Auch die Bundesregierung weist bei sicherheitsrelevanten Informationen auf das Prinzip des „Need to know“ und auf unterschiedliche Geheimhaltungsgrade hin. Gerade bei sensiblen Gebäude- und Infrastrukturdaten muss deshalb sorgfältig zwischen öffentlicher Information und sicherheitsgeschützten Daten unterschieden werden.
Eine sinnvolle Lösung könnte deshalb in einem mehrstufigen Informationssystem liegen: öffentlich zugängliche Basisinformationen für die Bevölkerung und weitergehende, geschützte Informationen für Behörden, Einsatzorganisationen und andere berechtigte Stellen.
Ein wichtiger Schritt für einen modernen Bevölkerungsschutz
Die geplante digitale Erfassung von Schutzräumen ist damit weit mehr als ein technisches Projekt.
Sie kann ein Baustein einer neuen Sicherheitsarchitektur werden, in der Warnung, Information, Schutz und Reaktion digital miteinander verknüpft werden.
Für die Bevölkerung könnte dies im Ernstfall einen entscheidenden Unterschied machen. Eine Warnung allein beantwortet noch nicht die Frage: „Was soll ich jetzt tun und wo kann ich Schutz finden?“
Eine moderne digitale Schutzraumübersicht könnte genau diese Lücke schließen.
Damit entsteht perspektivisch ein neues Element des Bevölkerungsschutzes: Nicht nur wissen, dass eine Gefahr besteht sondern auch wissen, wo der nächste geeignete Schutz zu finden ist.
Für Deutschland wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu einem Bevölkerungsschutz, der stärker digital vernetzt, lagebezogen und bürgerorientiert funktioniert. nz
Bulletin der Bundesregierung zum Download >>>
(Quelle: BMI Bundesministerium des Innern)